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Der Alphabetisierungskurs

Der Alphabetisierungskurs
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Sprachkurse
Der Alphabetisierungskurs
Die Teilnehmenden von einem Alphabetisierungskurs sind doppelt herausgefordert. Neben der deutschen Sprache lernen sie innerhalb von maximal 1.300 Unterrichtsstunden auch, die lateinische Schrift zu lesen und zu schreiben.
Alphabetisierungskurse für Migrantinnen und Migranten
Viele Migrantinnen und Migranten, die insbesondere seit 2015 als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, haben in ihrem Heimatland keine Schule besucht und nie Lesen und Schreiben gelernt, oder sie haben das früher Erlernte durch fehlende Praxis wieder vergessen.
Diese Teilnehmenden stehen im Integrationskurs vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die lateinische Schrift lesen und schreiben lernen. Hier bieten die bundesweit angebotenen Alphabetisierungskurse eine große Chance: Denn die Beherrschung der Schriftsprache zusammen mit grundlegenden Deutschkenntnissen ermöglicht eine echte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Deutschland. Gleichzeitig profitieren auch die Kinder der Teilnehmenden, da sprach- und schriftkundige Eltern ihre Kinder besser fördern können.
Ziel der Alphabetisierungskurse
Die Alphabetisierungskurse haben das Ziel, die Teilnehmenden innerhalb von maximal 1.300 Unterrichtsstunden à 45 Minuten zu alphabetisieren und gleichzeitig Deutschkenntnisse zu vermitteln. Deshalb wird die Kursbezeichnung auch als „Deutsch lernen plus Alphabetisierung“ verstanden.
Einstufung und Zielgruppen
Ob die Teilnahme an einem Alphabetisierungskurs notwendig ist, wird im Einstufungsverfahren für Integrationskurse festgestellt. Dabei wird geprüft, ob Bedarf für eine Alphabetisierung besteht und welcher Zielgruppe der Teilnehmende angehört:
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Primäre und funktionale Analphabeten
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Zweitschriftlernende, die das Schriftsystem ihrer Herkunftssprache beherrschen, aber die lateinische Schrift nicht.
In strukturschwachen Regionen mit wenigen Teilnehmenden werden manchmal Analphabeten und Zweitschriftlernende gemeinsam unterrichtet.
Organisation des Unterrichts
Der Unterricht findet in kleinen Gruppen mit maximal 16 Teilnehmenden statt und umfasst 12 bis 25 Unterrichtsstunden pro Woche, damit Lehrkräfte intensiv auf jede/n Einzelne/n eingehen können. Lehrkräfte müssen sowohl vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zugelassen sein als auch eine qualifizierte fachliche Eignung im Bereich Alphabetisierung nachweisen.
Sprachniveau und Lernerfolg
Für viele Teilnehmende gilt im Rahmen der individuellen Maximalförderung das Niveau A2 (GER) als realistisches Ziel. Schnell lernende Teilnehmende mit guten Voraussetzungen können auch das Niveau B1 erreichen. Zum Vergleich: Der Allgemeine Integrationskurs zielt auf B1 ab. 2018 erreichten rund 43 % der Alphabetisierungskurs-Teilnehmenden das Niveau A2, und 17 % sogar das höherliegende Niveau B1.
Die Integrations-Expertin Uta Saumweber-Meyer kommentiert dazu:
"Angesichts der besonderen Situation vieler Teilnehmender ist das ein überaus erfreuliches Ergebnis. Auch das Erreichen des Sprachniveaus A2 sollte als individueller Erfolg anerkannt werden."
Bedeutung und Entwicklung
Das BAMF passt das Integrationskurs-Angebot kontinuierlich an die Bedarfe der Teilnehmenden an. Mit der veränderten Teilnehmerstruktur seit 2015 hat sich insbesondere der Anteil der Alphabetisierungskurse erheblich erhöht. 2018 haben mehr als 200.000 Menschen einen der rund 14.500 neu gestarteten Integrationskurse besucht. Der Großteil (68,3 %) nahm am Allgemeinen Integrationskurs teil, auf Platz 2 folgt der Alphabetisierungskurs mit 22,2 % der Teilnehmenden – ein deutliches Zeichen für die Wichtigkeit dieses Angebots.
